Bittere erste Halbzeit

1. FC Bruchsal verliert deutlich gegen den FSV Bietigheim-Bissingen

Bruchsal. Ein Zettel an der Kabinentür des 1. FC Bruchsal hatte am Mittwoch besondere Eigenschaften für den Zutritt auf den grünen Rasen des Städtischen Stadions gefordert. Lediglich „Kampfschweine, Männer, Teamplayer und Mentalitätsmonster“ durften passieren, der Nachweis sei auf dem Platz vorzuzeigen. Dass das Spiel des Fußball-Oberligisten gegen den Tabellenzweiten FSV Bietigheim-Bissingen dennoch mit 0:4 (0:4) verloren ging, gehört zu den tragischen Aspekten des Abends.



"Wir waren nicht in der Lage, das Chaos zu verhindern." Mirko Schneider Trainer des 1. FC Bruchsal

Denn in der 17. Minute hatte Marcel Gessel die Aufforderung offenbar ein bisschen zu wörtlich genommen. Zumindest sah das Schiedsrichter Jürgen Schätzle so, der nach zusätzlicher Rücksprache mit seinem Assistenten „keinen Zweifel“ an einer Spuckattacke des Mittelfeldspielers mehr sah und den 26-Jährigen mit einer Roten Karte zum verfrühten Duschen schickte. „Er läuft an ihm vorbei, sagt ‚stell Dich nicht so an’ und spuckt in seine Laufrichtung, nicht zu dem Spieler, der rechts hinter ihm liegt“, hatte Gessels Trainer Mirko Schneider nach der Partie ein ganz anderes Bild der Szene in Erinnerung.

Wer darauf gehofft hatte, dass Bruchsal den Verlust seines Mittelfeldmanns einfach so verdauen könnte, wurde enttäuscht. Stattdessen begannen die Gäste unter den Augen von Bruchsals neuem sportlichen Leiter Sorin Radu ihre spielerischen Stärken vermehrt auszuspielen. In der 20. Minute zog Loris Hoffmann aus 18 Metern gefährlich auf das Tor von Yannick Merz ab, zwei Minuten später traf Benedikt Landwehr das Außennetz. In der 26. Minute trugen die Bemühungen des FSV erstmals Früchte: Merz konnte zwar die Vorarbeit von Filimon Gerezgiher gerade noch parieren, gegen das Nachsetzen von Marius Kunde zum Führungstreffer per Kopf war der 25-Jährige aber machtlos. Schneiders Elf schüttelte sich kurz und hätte beinahe postwendend durch André Redekop (27.) die passende Antwort gegeben.

Hoffmanns 2:0 (33.) mit abseitsverdächtigen Begleitumständen brachte dann allerdings Bietigheim-Bissingen richtig in Fahrt und Bruchsal endgültig aus der Spur. „Wir waren nicht in der Lage, das Chaos zu verhindern, weil die ein Mann mehr waren und es zudem sehr gut ausgespielt haben“, erklärte Schneider später. Die Folge waren letztlich die Gegentreffer Nummer drei und vier durch Roman Kasiar (42.) und Hoffmann (44.)

Während die Gäste nach der Pause schon früh wieder auf dem Platz standen, ließen die Bruchsaler ziemlich lange auf sich warten. „Der Trainer hat in der Pause die richtigen Worte gefunden. Dann sind wir als Mannschaft noch ein paar Minuten zusammengesessen und haben uns geschworen, dass wir in der zweiten Hälfte zumindest ein Unentschieden holen“, sagte Kapitän André Walica. Und in der Tat gestaltete der FCB das Spiel in den zweiten 45 Minuten ausgeglichen, hatte durch Sefa Bulut (70.) sogar noch einmal die Chance zu verkürzen. „Dafür können wir uns nichts kaufen, aber für das Gefühl und den Kopf war es wichtig“, sagte Walica. Die Tabelle freilich zeichnete nach dem Schlusspfiff ein weniger rosiges Bild: Dort rutschte der 1. FC auf Rang 18 ab.

1. FC Bruchsal: Merz, Stjepanovic (80. Kias), Berecko, Gessel, Muto (55. Bulut), Redekop (78. Pagna), Amelhaf, Schiek (80. Sahiti), Walica, Agbegniadan, Schongar.

Schiedsrichter: Schätzle (Schönwald), Tore: 0:1 Kunde (26.), 0:2 Hoffmann (33.), 0:3 Kasiar (42.), 0:4 Hoffmann (43.). Rote Karte: Gessel (17., Bruchsal).



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